Aktuelles / Mitteilungen

Verein zur Bewegungsförderung und Psychomotorik e.V. Marburg

Protokoll der Mitgliederversammlung vom 24.11.2016

 

Tagesordnung:

 

1.Begrüßung

2.Bericht des Vorstandes

3.Kassenbericht 2015

4.Bericht der Kassenprüfer

5. Entlastung des Vorstandes

6. Neuwahlen

7. Wahl der Kassenprüfer

8. Satzungsänderung

9.Verschiedenes

 

1.Begrüßung

Es wurden 11 Anwesende begrüßt.

 

2.Bericht des Vorstandes 2016

 

Mitgliederstand

Die Mitgliederzahlen des Vereins haben gegenüber 2015 (452 Mitglieder) leicht abgenommen, 2016 – 447 Mitglieder, 262 m, 156 w (+ zusätzlich 35 SeniorInnen in der Senioreneinrichtung St. Jakob)

 

Die Zahl der Fördergruppen ist von 2015 – 68 Fördergruppen bei 68 Gruppen 2016   (incl. 35Senioren in 3 (2015 4Gr.) Gruppen) stabil geblieben.

 

Von 447 Mitgliedern sind 402 Kinder imKinder,-/Jugendbereichin 64 Gruppen zu finden. (2015: 413 Kinder in 66 Gruppen)

 

Im Frühförderbereich (0 – 6 J.) gibt es 48 Gruppen, 289 Kinder, 189 m, 100 w, gegenüber (2015: 42 Gruppen und 261 Kinder (167m, 94 w)

also eine Steigerung von 6 Gruppen und 28 Kindern.

 

Im Schulbereich liegt der Mitgliederstand 2016 bei 113 (+25) Kindern, 75 m, 38 w in 16 (+3 ) Gruppen (2015 bei 123 Kindern/Jugendlichen in 19 Gruppen, davon 96 m, 27 w), der Rückgang von 3 Gruppen und 10 Kindern ist wahrscheinlich dem Trend zur Ganztagsschule und längeren Betreuungszeiten geschuldet. Allerdings gibt es zusätzlich 25 SchülerInnen in 3 Projektgruppen (andere Finanzierung u. Begleitung) in der Gerhart-Hauptmann-Schule und der Burgbergschule.

 

Im Seniorenbereich finden wir 26 SeniorInnen in 2 Gruppen, 6 m, 20 w,   gegenüber 2015: 22 Senioren in 2 Gruppen, 9 m, 13 w

 

Die Erwachsenengruppen haben 2016 insges. 16 Mitglieder, 6 m, 10 w in  2 Gruppen, eine konstant gebliebene Gruppe der BI Sozialpsychiatrie und eine neu entstandene Feldenkraisgruppe, die auch die Lizenz als Reha-Sportgruppe „Orthopädie“ besitzt.

 

 

Im Institut für Leibesübungen, IFL –9 Gruppen (2015 - 8 Gruppen) finden z. Z. 6 Kindergruppen (2015-5 Kindergruppen), 2 Seniorengruppen und 1 Gruppe der Erwachsenen statt, die anderen Gruppen finden dezentral in den Einrichtungen statt.

 

Es gibt 3 Fördermitglieder (passiv).

 

 

Personalsituation

Angestellte:

Vollzeit:                      Michael Müller-Schwarz

Teilzeit:                     Florin Flueras 

                                Annemarie Althaus 

                                Susanne Niebergall  

                                Julia Nickel

 Minijob:                    Gerda Metz (Sekretariat) ab 01.06. 2014 in Rente

 Honorarkräfte:       insgesamt 8

 

Die Gehälter der angestellten Mitarbeiter mussten 2013 um 5% reduziert werden. Dabei handelte es sich um eine temporäre Reduzierung, die am 1.7.dieses Jahres um 2,5% wieder angehoben werden konnte, nach Quartalsabschluss am 30.06.17 soll die weitere Angleichung geprüft werden.

 

Eine erneute Anhebung der Mitgliedsbeiträge in 2016 sowie 2017 wurde nicht in Erwägung gezogen um die Mitglieder nicht erneut zu belasten.

 

Durch Umbaumaßnahmen im Institut für Sportwissenschaften (IFL) musste der Verein 2015 wieder einen Zwischenumzug vornehmen (bis zum endgültigen Einzug in das renovierte Barockhäuschen vorm IFL), momentan ist der Verein erreichbar in der Kugelgasse 10, Raum 23, wobei die Postadresse in der Barfüßerstr. 1 verbleibt.

 

 

Aktivitäten des Vereins

Im Oktober 2013 startete auch wieder die 5wöchige Kursreihe „Psychomotorik“ gemeinsam für Erzieherinnen der Stadt und des Landkreises: Im April 2014 wurde diese mit dem Kurs 2 zum Thema „Spielräume – die Bedeutung von Bewegung und Spiel in der Psychomotorik“ und im November 2014 mit dem Kurs 3 zum Thema „Ich und die Anderen – Förderung von Selbstkonzept und Sozialkompetenz“ fortgeführt.

Die Kurse 4 zum Thema „Psychomotorisch arbeiten“+ Kurs 5„Spezialthemen der Psychomotorik“ konnten 2016 ,mit längerer Unterbrechung wegen der Streiks der Erziehrinnen im öffentlichen Dienst, die Kursreihe abschließen. Evtl. wird es noch einen Artikel dazu in der Oberhess. Presse geben.

 

Des Weiteren arbeitet der Verein, vertreten durch Michael Müller-Schwarz, an der Weiterentwicklung des Curriculums „Profilerweiterung Inklusion(30 LE)“ der Sportjugend Hessen für ÜbungsleiterInnen und anderes Fachpersonal im Bewegungs- und Sportbereich mit. Die Profilerweiterung Inklusion startete im März 2015, es wurden 5 Durchgänge á 30 Lerneinheiten durchgeführt, von denen Michael Müller-Schwarz eine Fortbildung und eine weitere anteilig leitete. Die Profilerweiterung ist ein Erfolg, wird in 2016/2017 gesponsort, von der KFW fortgesetzt, evtl. sogar auf andere Bundesländer erweitert.

 

Am 24.08.16 hatte Vorstand/Geschäftsführung ein einstündiges Treffen mit dem neuen Oberbürgermeister Spieß im Rathaus, dieser Termin kam auf Initiative von Fr. Siegel-Engelmann zu Stande, anwesend waren auch Fachdienstleiter Sport (42) Backes sowie MitarbeiterInnen der Jugendförderung.

Das Treffen diente dazu den Verein in seiner Entwicklung, dem Konzept, seinen Zielen und Projekten dem OB bekannt zu machen, u.a. als Träger der Themen „Gesundheit“ und „Bildung“, die besondere Schwerpunkte des neuen OB darstellen. Mit Kenntnis der aktuellen Haushaltslage waren mit dem Treffen keine finanziellen Forderungen verbunden, sondern dienten lediglich der Repräsentation.

 

Projekte

Psychomotorik mit Flüchtlingskindern

Nach den Herbstferien 2015 startete das Projekt „Psychomotorik mit Flüchtlingskindern“ in Zusammenarbeit mit der Grundschule der Sophie-von-Brabant-Schule. Finanziert wird das Projekt von Sponsoren/Paten, die der Kinderschutzbund in Person von Fr. Siebke-Richter rekrutiert hat. Diese Paten übernehmen die Mitgliedsbeiträge für 10 Kinder für 1 Jahr.

In 2016 konnte Fr. Siebke-Richter die Paten für ein weiteres Jahr zur Übernahme d. Mitgliedsbeiträge gewinnen. (Hier möchten wir uns herzlich bedanken für ihr Engagement).

Das Projekt kommt inzwischen nicht nur Flüchtlingskindern, sondern allen Kindern der Sprachintensivklasse der S.-v.-B.-Schule zugute. Leider konnte auch 2016 aufgrund der hohen Auslastung keine Nutzung der schuleigenen Turnhalle erreicht werden. Das Projekt wurde von einer Studentin der Motologie längere Zeit begleitet, die ihre Masterarbeit zu diesem Thema verfasste. Z.Z. ist leider außer der Psychomotorik-Fachkraft keine zusätzliche personelle Unterstützung dieser Gruppe möglich.

 

Psychomotorik-Angebot an der Gerhard-Hauptmann-Schule: Hier hat Herr Backes eine finanzielle Weiterführung im Rahmen der „Lokalen Bildungsplanung „Schule und Sport“ für das Schuljahr 2016/17 zugesagt.

 

Der FB Motologie arbeitet momentan an einer Studie zur „Wirksamkeit psychomotorischer Maßnahmen bei Geschwistern krebskranker Kinder“, dazu soll eine Psychomotorikgruppe von dem Motologen MA. Frank Birk im Institut f. Sportwissenschaft u. Motologie im Rahmen des Vereins angeboten werden.

 

Die Burgbergschule, eine Förderschule in Friedensdorf, Raum Biedenkopf, hat den Kontakt zum Verein erneuert, es wird eine Zusammenarbeit in Form von einer Doppelstunde (90 Min.) mit 10 Kindern angestrebt, die als „schulische Veranstaltung“ mit 60,-Euro vergütet wird.

 

Unter dem Dach der „Sportjugend Hessen“ gibt es eine neue Zusammenarbeit des Vereins mit dem Sportamt Marburg, für ErzieherInnen, ÜbungsleiterInnen und Azubis des Fachdienstes Sport soll ein niederschwelliges 3tägiges Angebot „Bewegung in den Kitas“ durch den Verein durchgeführt, das mit einem Zertifikat abgeschlossen wird. Dieses soll zw. Febr. und April 2017 stattfinden.  

 

Es hat ein Treffen zwischen Geschäftsführung und Koordinatorin des Projektes „Inklusion bewegt“ stattgefunden, wo die Umsetzung von Inklusion in der Arbeit des Vereins thematisiert wurde.

In der alltäglichen Arbeit des Vereins, in Kitas, Schulen und den freien Gruppen funktioniert die Inklusionsidee am besten, dort sind Kinder mit und ohne Förderbedarfe zu finden, häufig für die Kinder nicht erkennbar und unterscheidbar. In Gruppen, die nicht an Institutionen gebunden sind, wie z.B. im Kreis, könnten evtl. Projektgelder im Rahmen von bis zu 4000,- Euro beantragt werden.

 

Spenden

2016 hatte der Verein eine Spendeneinnahme von insges. 7500,- Euro, Sparda Bank 2500,-, Sparkasse 500,-, CSL Behring 500,-, Vereinigung der Zahnärzte 4000,- Euro.

Die Spendenaufrufe sollen zukünftig regelmäßig zu Jahresbeginn erfolgen.

 

3.Kassenbericht

Der Kassenbericht wurde detailliert aufgeführt, die Haushaltsübersicht ergab eine voraussichtliche positive Bilanz, der erwartete Kontostand Ende des Jahres 2016 wird voraussichtlich bei einer vierstelligen Eurosumme liegen. Diese Summe ist auf dem Hintergrund der ungewöhnlich hohen Spendeneinnahmen zu betrachten, ohne die Spenden würde sich die positive Bilanz halbieren.

 

 

4.Bericht der Kassenprüfer

Herr W. Riehl (nicht anwesend, aber mit schriftlicher Aussage) und Herr S. Heine haben im November die Kassenprüfung für den „Verein zur Bewegungsförderung und Psychomotorik e:V. „ durchgeführt, es wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt und der Kassenwartin eine vorbildliche Kassenführung bescheinigt.

 

5. Entlastung des Vorstandes

Der Antrag auf Entlastung des Vorstandes wurde gestellt und mit 9 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen angenommen.

 

6. Neuwahlen

Die 2. Vorsitzende Frau Siegel-Engelmann steht für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung.

Als weiteres Vorstandsmitglied wurde Frau Julia Schrumpf vorgeschlagen. Frau Schrumpf ist Motologin MA. , Förderschullehrerin, sie war lange Zeit angestellte Mitarbeiterin des Vereins, ist nun hauptamtlich an der Mosaikschule tätig. Zusätzlich arbeitet sie als Honorarkraft für den Verein im U3-Bereich und als Dozentin bei der Hessischen Sportjugend und bei der Dt. Akademie für Psychomotorik.

 

Die Neuwahlen erfolgten in offener Abstimmung: der Vorstand wurde wie folgt gewählt:

1. Vorsitzender: Dr. Hans-Jürgen Kesper (10 Stimmen, 1 Enthaltung)

2. Vorsitzende: Jutta Müller (10 Stimmen, 1 Enthaltung)

Schriftführung/Kassenwart: Julia Schrumpf (10 Stimmen, 1 Enthaltung)

 

 

7. Wahl der Kassenprüfer

Die Wahl der Kassenprüfer 2017 Herr Göbel (schriftliches Einverständnis wegen Abwesenheit) und Herr Heine wurde mit 10 Ja-Stimmen und 1

Enthaltung angenommen.

 

8. Satzungsänderung

Der Aufwand und die Kosten für die Einladungen zur Mitglieder-versammlung werden als unverhältnismäßig angesehen und soll zukünftig über die Homepage des Vereines und parallel in der örtlichen Presse erfolgen.

 

Die Satzung des Vereins (§12, 12.3) ist mit 11 Stimmen wie folgt geändert worden:

 

Satzung §12

12.3 Die Einberufung der Mitgliederversammlung erfolgt auf unserer Homepage www.psychomotorik-marburg.de im 4. Quartal eines jeden Jahres unter Währung einer Frist von mindestens 3 Wochen bei gleichzeitiger Bekanntgabe der Tagesordnung.

 

9. Verschiedenes

 

Fördermitgliedschaften

-Um die Steigerung der Fördermitgliedschaften zu erreichen schlägt der Vorstand vor zukünftig bei Kündigungen ein Anschreiben zu verschicken, bei dem auf die Möglichkeit der Fördermitgliedschaft im Verein in beliebiger Höhe hingewiesen wird.

 

-Frau Siebke-Richter vom Kinderschutzbund konnte 2016 eine weitere Finanzierung des Projektes „Psychomotorik mit Flüchtlingskindern“ an der Sophie-von-Brabant-Schule über die Rekrutierung von Paten erreichen, es musste jedoch 50% der erforderlichen Summe  durch den Fonds des Kinderschutzbundes (meist Spenden vom Lions Club) bezuschusst werden. Eine längerfristige Finanzierung durch den Kinderschutzbund ist nicht zu gewährleisten, von daher muss das Projekt eigene Mittel aufbringen. Dafür soll die Kooperation mit der Initiative „Tipi“ (Fr. Sazmaz, Herr Maser v. Ordnungsamt u.a.) und mit den zuständigen Politikern des Landkreises gesucht werden.

  

Jutta Müller

(Vorstand)

 

 

 

 

 

 

Psychomotorik mit Flüchtlingskindern

 

Seit nunmehr einem Jahr hat der „Verein zur Bewegungsförderung und Psychomotorik“ Erfahrungen in der psychomotorischen Begleitung von Flüchtlingskindern. Das Bedürfnis, ein psychomotorisches Angebot für Flüchtlinge ins Leben zu rufen, deckte sich mit dem breitgefächerten Engagement des Kinderschutzbundes Marburg für Flüchtlingskinder, hier wurde v.a. Fr. Siebke-Richter initiativ, der der „Verein zur Bewegungsförderung und Psychomotorik mit seinem inklusiven Ansatz am allerbesten geeignet schien, erste Hilfe für Flüchtlingskinder zu leisten“. Ausschlaggebend schien ihr auch „das große Interesse gepaart mit der nötigen Kompetenz und personellen Ausstattung.“

 

Frau Siebke-Richter stellte die Kontakte zur Sophie-von-Brabant-Schule her, die als Erstaufnahme-Schule in einer Sprachintensivklasse auch immer wieder schwer traumatisierte Kinder betreuen und integrieren muss. Im Januar 2015 begann eine Kooperation von Kinderschutzbund, Psychomotorik-Verein und der Sophie-von-Brabant-Schule mit der Ausrichtung Finanzierung, Hallenkapazitäten, Fach-und Betreuungspersonal, Versicherungsfragen, Konzept und Gruppenzusammensetzung zu kommunizieren. Frau Siebke-Richter gelang es Paten für das Psychomotorik-Projekt zu finden und ein Patenschafts-Modell zu entwickeln, das die Finanzierung der Mitgliedsbeiträge für 10 Kinder über ein Jahr lang gewährleistete.

 

Nach den Herbstfreien 2015 und Abschluss der Vorarbeiten konnte die Idee endlich konkretisiert werden und das Projekt an den Start gehen. Die Lehrerin der Sprachintensivklasse traf eine Auswahl an 10 Kindern mit Bedarfen an motorischer und/oder emotional-sozialer Unterstützung. Der TSV Ockerhausen stellte 1 x wöchentlich für 1,5 Stunden eine Turnhalle zur Verfügung, der Verein sandte einen männlichen/ eine weibliche MotologIn und die Schule beteiligte sich mit einer FSJlerin und einem Praktikanten. Das Aufgebot an personeller Begleitung erwies sich als notwendig für die Bewältigung von Hin-und Rückwegen, den Umgang mit dem Verhalten im ungewohnten Straßenverkehr, der oft mangelnden Bekleidungsausstattung der Kinder, der intensiven Gruppendynamik, der Sprachbarrieren und des unkalkulierbaren Verhaltens einzelner Kinder.

 

Das psychomotorische Konzept, in dem die gesamte Entwicklung der Persönlichkeit durch das Medium „Bewegung“ im Focus steht, erweist sich als gut geeignet für Kinder mit traumatischen Erfahrungen von Kriegserlebnissen, Flucht und Verlusten, seelischen Verletzungen und prekären Lebensverhältnissen. Durch Bewegung, Spiel, Bauen und Gestalten können sie schmerzlichen Erfahrungen kindgemäß Ausdruck geben und Konflikte verarbeiten.

 

Der ressourcenorientierte Ansatz möchte beim Kind Ängste lösen, Lebensfreude entwickeln, Ressourcen aktivieren und Widerstandskräfte (Resilienz) stärken. Eine interkulturelle Expertin empfiehlt der pädagogischen Arbeit im Hinblick auf traumatisierte Kinder „in kritischen Situationen …auf positive Erfahrungen umzuleiten und im Hier und Jetzt für die Kinder eine sichere und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Das Schaffen einer Perspektive, das Erfahren von Selbstwirksamkeit und die Inklusion beeinflussen dabei auch den Verlauf einer Traumatisierung positiv“ (Gülcan Yoksulabakan-Üstüey).

 

Bei Traumatisierung geht es um das Lebensgefühl von mangelndem Schutz, Vertrauen, Kontrolle und Handlungsfähigkeit, dieses kann in kleinen Schritten durch freudvolle Momente und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit wieder positiv verändert werden.

 

Mit Beziehungsangebot, klarer Struktur und Selbstwirksamkeitserlebnissen gibt die Psychomotorik den Kindern einen sicheren Rahmen um über Spiel und Bewegung handlungsfähig und erfolgreich zu sein.

 

Jede Psychomotorik-Stunde beginnt und endet mit einem Erzählkreis, in dem jedes einzelne Kind nach seiner aktuellen Befindlichkeit gefragt wird und es somit erfährt, dass es wahrgenommen, ernst genommen wird und man sich für seine Erzählungen, Gefühle und Lebensumstände interessiert. Die Thematisierung und das körperliche Spüren von Gefühlen ermöglicht den Kindern eine bessere Selbstwahrnehmung und emotionale Selbstregulation. Gleichzeitig lernen die Kinder anderen zuzuhören und erweitern durch die Interaktion ihre sprachlichen Fähigkeiten und soziale Kompetenz.

 

Durch das offene Konzept der Psychomotorik kann die kulturelle Vielfalt zum Tragen kommen, können die Kinder Spiele aus ihrem Kulturkreis einbringen und aus anderen Kulturen kennen lernen. Die Kinder erweitern ihr Wissen und Handlungsrepertoire.

 

Durch Spielvorschläge und Mitgestaltung von Bewegungs- und Spiellandschaften wird Partizipation erfahren und gelebt. Die Möglichkeit eigene Spielthemen einzubringen weckt und bewahrt die Motivation zu Bewegung und Aktivität.

 

Kindgemäße Entspannungsformen unterstützen die Kinder in stressreichen Situationen (Trauma bedeutet ein dauerhaft aktiviertes Stress-System) wieder zur Ruhe zu gelangen. Das Wissen sich in Stresssituationen selbst beruhigen zu können, schafft Sicherheit.

 

Eine achtsame geschlechtssensible pädagogische Haltung unterstützt den gleichberechtigten Umgang zwischen Jungen und Mädchen und trägt so zur Überwindung von stereotypen Geschlechterrollen bei.  

 

Schon wenige Wochen nach dem Start des Psychomotorik-Projektes gab es eine positive Rückmeldung von der Leiterin der Sprachintensivklasse, sie schrieb: „Die Psychomotorik-Stunden mit den ausgewählten Kindern der Sprachintensivklasse lassen sich erfreulich an. Die Kinder können mit Bewegung und dem Konzept gut erreicht werden, u.a. auch, weil ihnen dadurch nicht zu viel Disziplin abverlangt wird und ein individuelles Eingehen auf unterschiedliche Entwicklungsniveaus gut möglich ist…Meine Schüler lieben und genießen diesen Bewegungsunterricht und andererseits macht er gerade deutlich, an welchen Entwicklungsschritten wir noch zu arbeiten haben“.

 

Den Paten des Projektes konnte mitgeteilt werden, dass mit ihrer Hilfe „ein kleines, unbürokratisches Projekt mit großer Wirkung“ (Fr. Siebke-Richter) ins Leben gerufen werden konnte, sodass sie sich bereit erklärten diese auch ein weiteres Jahr zu finanzieren.

 

 

 

Lit.:

 

Gülcan Yoksulabakan-Üstüey (2015): Geflüchtete Kinder: Herausforderung und Grenzen in www.nifbe.de/191-nifbe/867-themenschwerpunkt-fluechtlinge

 

  

 

Jutta Müller

 

(Vorstandsmitglied

 

Verein zur Bewegungsförderung

 

und Psychomotorik e.V. Marburg)